Aufnahmestopp für Katzen


Aufgrund einer akuten Überlastung müssen wir schweren Herzens einen vollständigen Aufnahmestopp für Katzen verhängen. Seit Beginn des Jahres hat das Tierheim bereits 160 Katzen aufgenommen – gut 75% mehr als üblich zu diesem Datum – darunter mehrere Dutzend Tiere parallel aus Animal-Hoarding-Fällen, Streunerpopulationen und privaten Notfällen.

Die Kapazitäten des Tierheims reichen bekanntermaßen seit langem nicht mehr aus, um dem starken Anstieg der Haustierhaltung gerecht zu werden. Die unkontrollierte Vermehrung und unüberlegte Anschaffung von Tieren verschärfen die Situation zudem massiv. Immer mehr Tiere benötigen einen Platz im Tierheim, wobei viele von ihnen aufgrund von Vorerkrankungen, fortgeschrittenem Alter oder Verhaltensauffälligkeiten eine intensive Betreuung erfordern und nicht direkt vermittelbar sind.

Trotz des Einsatzes unserer Pflegestellen und einer effizienten Vermittlungsarbeit reichen die Räumlichkeiten bei weitem nicht aus, um allen in Not geratenen Tieren im Landkreis Marburg-Biedenkopf einen Platz zu bieten. Es fehlt akut an Quarantänemöglichkeiten, Schleusen, Krankenstationen, u.v.m.

Akut kommt erschwerend hinzu, dass auf der Katzenstation bei einigen Tieren eine Hautpilzinfektion nachgewiesen wurde.
Angesichts der Menge an hilfsbedürftigen Katzen und ihrer Herkunft (Verwahrlosung und unkontrollierte Vermehrung) leider keine Überraschung. Es gelten somit strikte Hygiene- und Quarantänemaßnahmen, was eine Aufnahme weiterer Katzen logistisch und medizinisch unmöglich macht.
Unsere Pflegestellen sind bereits in die Notfallversorgung der vorhandenen Tiere eingebunden und räumliche Ausweichmöglichkeiten stehen nicht zur Verfügung.

Auch die Kleintierstation (Kaninchen/kleine Heimtiere) ist bis auf den letzten Platz belegt; hier können nur noch minimale Notunterkünfte geschaffen werden.

Die Situation unterstreicht einmal mehr die auch von der Veterinärbehörde Marburg-Biedenkopf geforderte, alternativlose Notwendigkeit eines Tierheim-Neubaus an neuem Standort.

Im Fall von Fundtieren müssen wir aktuell darum bitten, sich an die zuständigen Behörden (Rathaus der Stadt oder Gemeinde, in der das Tier gefunden wurde) zu wenden, im Fall eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz an die Veterinärbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Bei der Notwendigkeit einer Privatabgabe müssen wir leider an umliegende Tierschutzvereine und Tierheime verweisen, auch wenn wir natürlich wissen, dass die generelle Tierschutz-Situation landes- und bundesweit prekär ist.

Wir fordern von Gesellschaft und Politik ein Umdenken und Umlenken in Sachen Haustiere:

• Verlässliche Absicherung des Tierschutzes, bundesweit:
Tierschutz ist Staatsziel und die Versorgung von Fundtieren ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Dies setzt voraus, dass eine tierschutzgerechte Unterbringung finanziell und strukturell abgesichert ist. Aktuell ist dies nicht der Fall, was Tiere, haupt- und ehrenamtliche TierschützerInnen, Privatpersonen und letztlich auch die Kommunen ständig an ihre Grenzen bringt.

• Regulierung vom Zucht, Handel und Haltung:
Die freie, uneingeschränkte Vermehrung von Haustieren – ob als „Privatvergnügen“ oder zu Handelszwecken, oft ohne Rücksicht auf Erbkrankheiten, Wesensmerkmale, artgerechte Aufzucht oder die langfristige Absicherung der Jungtiere nach Abgabe – wird weiterhin geduldet und belächelt. Die Tierheime tragen die direkte Last dieser Praxis.

Längst überfällig sind daher:
– Eine Verschärfung des Tierschutzgesetzes und die personelle Stärkung der Veterinärbehörden.
– Die konsequente Umsetzung und Kontrolle tierschutzgerechter Mindeststandards für Zucht, Handel und Haltung.
– Eine bundesweite Kastrationspflicht für Katzen.
– Ein Verbot des unregulierten Tierhandels über das Internet, in Zoohandlungen/Baumärkten und auf Tierbörsen.

(21.05.2026)

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